
Der Fisch stinkt vom Kopf — egal ob Betrieb, Verband oder Land
Es gibt einen Satz, der sich im Sport, in eigenen Betrieben und in Verbänden immer wieder bestätigt hat: Der Fisch stinkt vom Kopf. Nicht vom Schwanz, nicht von der Mitte. Vom Kopf.
Verbände, die nicht funktioniert haben, scheiterten selten, weil Athleten zu wenig gegeben hätten oder das System schlecht war. Sondern weil die Führung sich selbst nicht kannte, sich nicht weiterentwickelt hat, nicht bereit war hinzuschauen. Und wenn sich Führung nicht ändert, ändert sich nichts – kein Strategiepapier, kein Workshop, kein Umstrukturierungsprojekt.
Das gilt überall: Ein Chef, der sich selbst nicht führt, führt auch sein Team nicht. Eine Verbandsführung ohne Persönlichkeitsentwicklung wiederholt ihre Muster jahrelang. Systeme, die von Menschen geführt werden, die sich nicht weiterentwickeln wollen, stagnieren – egal wie viel Geld hineinfließt.
Starke Führung beginnt innen, nicht außen
Starke Unternehmen, starke Verbände, starke Länder entstehen durch starke Führung. Und starke Führung beginnt immer an einem Ort: bei der Person, die führt – innen, nicht außen. Als Sportlerin zeigte sich: Die besten Ergebnisse kommen nicht aus den härtesten Trainingslagern, sondern von Athletinnen und Athleten, die sich selbst kennen – und Führungen, die das ermöglichen. Als Unternehmerin zeigt sich dasselbe: Die stärksten Betriebe haben Chefs, die bereit sind, bei sich selbst hinzuschauen – nicht nur beim Team.
Vier Schritte zum Hinschauen
1. Ehrliche Bestandsaufnahme. Nicht das Team, nicht der Markt – die eigene Person. Wo geht Energie verloren? Wo wird reagiert statt entschieden? Wo wird ausgewichen? Was macht der eigene Körper? Worüber wird sich aufgeregt? Was wird toleriert? Und werden überhaupt Entscheidungen getroffen?
2. Muster erkennen. Die meisten Führungsfehler sind keine Einzelfälle, sondern Muster – mit einer Ursache, die tiefer liegt als der aktuelle Anlass. Das sind oft die härtesten Fehler, weil sie sich erst im Nachhinein zeigen. Ist das Muster einmal erkannt, kommt es meist nicht wieder.
3. Einen Spiegel finden. Nicht jemanden, der sagt, was man hören will, sondern jemanden, der zeigt, was noch nicht gesehen wird – ehrlich, faktenbasiert, ohne Schongang.
4. Bereit sein, es zu hören und zu verändern. Der schwerste Schritt. Nicht weil die Wahrheit so schlimm ist, sondern weil die meisten gelernt haben, sie wegzuschieben. Manchmal braucht es sogar klare Trennungen, um einen Schritt weiterzukommen – nicht wegen anderer, sondern um ein Ziel zu erreichen.
Genau das ist die eigentliche Arbeit. Und sie bringt nicht nur einen selbst voran, sondern das ganze Team – am leichtesten mit jemandem an der Seite, der Rückhalt gibt, eine Strategie hat und blinde Flecken sieht.
Elisabeth Brandau
Olympionikin, Handwerksmeisterin, Heilpraktikerin und Unternehmerin – schreibt aus eigener Erfahrung in Spitzensport und Unternehmertum. Über mich →