
Wie schaffst du das alles?
„Wie machst du das eigentlich?" Diese Frage kommt seit Jahren immer wieder – meist, nachdem erwähnt wurde: 18 Deutsche Meistertitel im Radsport, gleichzeitig drei Kinder großziehen und Unternehmen führen. Gefragt wird das mit einem Ton zwischen Bewunderung und Skepsis, fast so, als müsste es ein Geheimnis geben.
Einfache Antworten gäbe es: Disziplin. Liebe zur Sache. Gute Gene. Alles wäre gelogen – nicht böswillig, aber Antworten, die die Frage vertuschen statt beantworten.
Drei Teile der echten Antwort
Erstens: Es wurde einfach gemacht, weil es vor einem stand. Nicht als Heldentat, sondern schlicht als „dann mach ich das eben".
Zweitens: Verlassen wurde sich nicht auf Willenskraft, sondern auf intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Biochemie – Hormone, Schlaf, Regeneration, was Überlastung wirklich bedeutet und woran man sie erkennt. Nicht erst beim Zusammenbruch, sondern am Anfang, wenn noch Zeit ist gegenzusteuern.
Drittens: präventives Handeln. Genau hier trennen sich die meisten Wege. Nicht warten, bis etwas kaputt ist, sondern die Zeichen sehr früh erkennen und sofort handeln – möglich nur, wenn man den eigenen Körper so gut kennt, dass man die 2-mm-Veränderung bemerkt, bevor daraus 2 cm werden.
Das ist nicht esoterisch, sondern die langweiligste Form von Aufmerksamkeit: Körperhaltung bemerken, das eigene Gefühl bemerken, wie schnell der Puls steigt bemerken – und sofort etwas ändern, wenn etwas nicht stimmt. Nicht irgendwann.
Regeneration ist auch später noch möglich
Die meisten Menschen ignorieren diese Zeichen, arbeiten weiter, trainieren weiter, schieben die Warnung weg – bis der Zusammenbruch plötzlich im Raum steht.
Wer diesen Punkt schon erreicht hat – Medikamente nimmt, die eigentlich nicht nötig wären, oder trotz Schlaf komplett erschöpft aufwacht – kann das meiste trotzdem regenerieren. Es braucht meist ungefähr so lange, wie es gebraucht hat zu entstehen – oder deutlich weniger, mit dem richtigen Fahrplan.
Die kurze Antwort auf „Wie schaffst du das alles": die Biochemie ernst nehmen, früh erkennen, wenn etwas nicht stimmt – und es ändern.
Elisabeth Brandau
Olympionikin, Handwerksmeisterin, Heilpraktikerin und Unternehmerin – schreibt aus eigener Erfahrung in Spitzensport und Unternehmertum. Über mich →